In eigener Sache

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    Immer locker bleiben, Sisyphos!

    Immer locker bleiben, muntern wir uns auf. Aber momentan ist nichts einfach und alles kompliziert. Doch lest selbst, warum wir uns wie Sisyphos fühlen.

    Vorab eine große Bitte: Unsere Spendenkasse (PayPal.Me/neukoellnhilft) ist leer. Zögert also nicht, wenn ihr helfen wollt und könnt, denn… Weihnachten naht!

    Tausend Sorgen und kein Cent

    Die letzten Monate habe ich so einiges an Hirnschmalz investiert, um den Schuldenberg eines Geflüchteten zu überblicken. So einige der bösen Briefe sind auf das Fahren ohne Ticket zurückzuführen, doch da sich der Geflüchtete auch verbal mit der Polizei angelegt hat, weil er sich rassistisch behandelt fühlte, waren auch die einige Brief von Staatsanwaltschaft und Gericht dabei. Die Tagessätze, zu denen er verurteilt wurde, lassen wenig Hoffnung zu. Dazu gesellt sich noch die eine oder andere schikanöse Forderung des Landkreises. Das Arbeitsverbot, mit dem er zudem von der Ausländerbehörde belegt wurde, zwingt ihn zur Untätigkeit. Und die Sorgen ertränkt er in Alkohol. Es ist schade, denn er ist ein kluger und zugleich charismatischer Kerl. Nun war der Plan, dass ich Ratenzahlungen aushandle und er durch eine illegale Beschäftigung Geld verdient, um mindestens 150 Euro im Monat abzustottern. So weit die Theorie. Dieser Tage nun rief er mich an und teilte mir mit, dass es mit der Arbeit nichts wird und er somit die ausgehandelten Ratenzahlungen nicht leisten könne. Dass es für ihn scheinbar keine Lösung gibt, ist extrem betrüblich. Ja, mit seiner impulsiven und aufmüpfigen Art steht er sich selbst im Wege. Aber nein, sein Leben müsste so bescheiden nicht sein. Ich bin ratlos.

    Hausverbot in der VHS

    Das ist mir so auch noch nicht untergekommen. Dass mir ein Brief vor die Nase gehalten wird, in welchem ein brandenburgische VHS gegenüber einer geflüchteten Frau ein Hausverbot ausspricht. Die Frau war allem Anschein nach nicht zum ersten Mal verbal mit dem Dozenten des Integrationskurses aneinandergeraten, fühlte sich schlecht behandelt. Als die Lehrkraft begann, den Wortwechsel per Smartphone zu filmen, kam es zur Eskalation. Die Frau wurde des Kurses verwiesen und wollte den Raum nicht verlassen, weshalb die Polizei eingeschaltet wurde. So das Bild, welches sich durch die Schilderung der Geflüchteten und der von mir erbetenen Stellungnahme der Direktorin der VHS ergibt. Ich habe natürlich versucht, bei der VHS eine Aufhebung des Hausverbots und die Versetzung in einen anderen Kurs zu erwirken. Leider ohne Erfolg. In der Antwort hielt man der Geflüchteten vor, dass sie nicht regelmäßig am Kurs teilgenommen habe. Die Geflüchtete wiederum argumentiert, dass sie teils deshalb nicht kommen hatte können, weil ihre Kinder daheim krank gewesen wären. Das Problem. welches sich nun stellt, ist der Mangel an alternativen Kursangeboten im Landkreis. Für mich bleibt der Eindruck, dass die Geflüchtete hier von der VHS im Stich gelassen wurde. Die Andeutung der Leitung, dass die Geflüchtete aufgrund familiärer Probleme derzeit mit einem Integrationskurs überfordert wäre, halte ich für problematisch. Die mir bekannten Probleme der Familie bestanden zumindest 2021 darin, dass die Kinder der Familie den Selbstmord eines befreundeten, geflüchteten Nachbarn quasi live miterleben mussten und viel darüber sprachen. Fassen wir also zusammen: Die Frau hat es nicht leicht und statt konstruktiven Hilfsangeboten werden ihr immer weiter Steine in den Weg gelegt. Es ist eine Schande!

    Die Last der Unterhaltungsverpflichtungen

    Müde schaute der Geflüchtete aus, als ich ihn dieser Tage vormittags in einem Kreuzberger Cafe traf. Er kam gerade aus der Nachtschicht eines prekären Knochenjobs. Trotz Zulagen darf er sich am Ende des Monat nur über 1400 Euro netto freuen. Und dann ist da noch der Wisch vom Jugendamt, wonach er für seine beiden Kinder, die er wochenends sehen darf, gefälligst Unterhalt zu zahlen hat. Nach Jahren, in denen er von Sozialleistungen abhängig war, gelang ihm diesen Sommer der Einstieg ins Berufsleben. Im Sommer schien noch alles gut zu werden. Er freute sich, endlich arbeiten zu dürfen, selbst ein Zimmer in Berlin hatte er gefunden. Doch nun soll er 232 Euro monatlich an Unterhalt und zudem bereits aufgelaufene Schulden an die Unterhaltsvorschusskasse in Raten bezahlen. Er zeigte mir seine Kontoauszüge, bejammerte gestiegene Wohn- und Stromkosten, zählte mir seine Verpflichtungen – er muss auch seine Familie in der Heimat helfen – auf. Da bleibt für ihn so gut wie nichts. Ich habe jetzt in einem Akt von Ratlosigkeit nochmals um eine Überprüfung des ermittelten Unterhalts angesucht und allerlei Belege hingeschickt. Er schöpfte Hoffnung. Müde freilich war er immer noch.

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    Hello again… Corona!

    Liebe Leute, jetzt hat uns Corona doch erwischt. Und das trotz ausgeprägten Maskenfetischs. Deshalb war die Quelle schnell ausgemacht. Es war ein befreundeter Geflüchteter, dem der männlich Part von Neukölln hilft bei einem Computerproblem geholfen hatte und der erst Tage später Symptome entwickelte. Er testet sich für seinen Job oft und die Tests selbst waren auch nach Symptombeginn noch ein paar Tage negativ. Kurzum, egal wie sehr man aufpasst, es kann jeden und jede erwischen. Seid bitte vorsichtig!

    Während die Selbsttests des männlichen Parts allesamt positiv sind, ist sein Antigen-Schnelltest in einer großen Teststation vormittags negativ gewesen. Das lässt uns doch an der Zuverlässigkeit von Testzentren sehr zweifeln. Der weibliche Teil von Neukölln hilft hat für sich übrigens einen ganz eigenen Coronaindikator entwickelt. Wenn die Gelenke fröhlich vor sich knacken, dann ist der positive Coronatest nicht weit…

    Was uns, die wir Weihnachten 2020 zuletzt mit Corona flach lagen, doch ein wenig irritiert, ist der Umstand, dass auch nach über 2 Jahren Pandemie in Berlin das Coronavirus gefälligst das Wochenende einzuhalten hat. Gesundheitsämter glänzen zum Beispiel nach wie vor am Wochenende durch Untätigkeit. Nicht falsch verstehen, unsere Symptome bedürfen derzeit keiner dringlichen ärztlichen Betreuung. Uns ist es vor allem ein Anliegen, dass die Erkrankung in der offiziellen Statistik aufscheint.

    Denn natürlich haben wir den Eindruck, dass die Politik die derzeitige Coronawelle schlicht ignoriert bzw. sogar dadurch befördert, indem sie einer gewissen Sorglosigkeit in breiten Teilen der Bevölkerung Vorschub leistet. Das ärgert uns ungemein.

    Der weibliche Part war gestern noch vor dem Auftreten von Beschwerden in einem Einkaufszentrum unterwegs und kam sich dort mit Maske ziemlich doof vor. Nicht nur einmal hatte sie das Gefühl, schief angeschaut zu werden, so als wäre das Tragen einer Maske hysterische Vorsicht. Im Nachhinein ist sie natürlich froh, nicht unwissentlich Dutzende Leute angesteckt zu haben.

    Gerade jetzt, wo es für viele von uns unterstützte Geflüchtete ganz viel zu wuppen gibt, kommt Corona für uns zur Unzeit. Wir werden von daheim – sofern möglich – einiges erledigen. Aber alle, die mit Geflüchteten zu tun haben, wissen natürlich genau, dass sich manch Probleme nur im direkten Kontakt wirklich lösen lassen. Und natürlich hatten wir uns auch vorgenommen, mit dem 9-Euro-Ticket mal ein bisschen durch die Lande zu tingeln. Auch das werden wir erst mal verschieben müssen.

    Aufmunternde Worte sind sehr willkommen. Wir wünschen euch von Herzen, dass Corona an euch vorbeigeht!

    P.S.: Apropos 9-Euro-Tickets: Es ist zwar noch ein bisschen hin, aber wir würden uns natürlich auch für August über die eine oder andere Ticketspende via https://paypal.me/neukoellnhilft freuen.